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    der Maria-Victoria-Schule
    Grund- und Werkrealschule Ottersweier/Lauf
    Naturparkschule

  • Buchbinden zwischen Tradition und Technik

    Im Rahmen des Moduls „Bücher binden wie die Mönche“ beschäftigten sich die beiden siebten Klassen der Maria-Victoria-Schule intensiv mit dem traditionsreichen Handwerk des Buchbindens. Unter der fachkundigen Anleitung von Renate Höß hatten die Schüler*innen die besondere Gelegenheit, selbst Bücher nach mittelalterlichem Vorbild zu binden. Zu Beginn erhielten sie eine Einführung in die Geschichte von Papier und Buch. Renate Höß erklärte, dass vor der Erfindung des modernen Papiers Materialien wie Pergament und Papyrus verwendet wurden. Bereits ab etwa dem Jahr 800 entstanden erste Bücher, darunter das Beutel- oder Gürtelbuch, das Mönche bei sich trugen und zum Gebet nutzten.

    Im Anschluss wurde es praktisch: Die Schüler*innen banden eigene Bücher im mittelalterlichen Stil. Jedes Buch setzt sich aus einem Buchblock und einem Einband zusammen. Besonders klebrig wurde es bei der Gestaltung des Einbands: Mit Karton und Leinenstoff sowie Pinsel und Leim entstanden individuelle Buchdeckel. Mit viel Geschick und Ausdauer erzielten die Schüler*innen beeindruckende Ergebnisse und hielten am Ende stolz ihr selbst gebundenes Buch in den Händen.

    Um auch die moderne Buchbinderei kennenzulernen, besuchten die Klassen die Buchbinderei Spinner in Ottersweier. Das traditionsreiche Familienunternehmen, 1951 gegründet und heute in dritter Generation geführt, beschäftigt rund 75–80 Mitarbeiter*innen und feierte in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen. Während Bücher früher vollständig in Handarbeit gefertigt wurden, ermöglichen moderne Maschinen heute eine deutlich schnellere und effizientere Produktion von täglich etwa 30.000 Broschuren und 20.000 Büchern – insgesamt mehrere Millionen pro Jahr. Dazu kommen beeindruckende Materialmengen: Rund 63 Tonnen Pappe, etwa fünf Millionen laufende Meter Heftfaden (das entspricht ungefähr 5.000 Kilometern oder 12.500 Stadionrunden) sowie rund zwölf Tonnen Leim werden jährlich verarbeitet. Besonders hervorzuheben ist das „VEGABook“: Die Firma Spinner ist die erste Buchbinderei Deutschlands, die eine 100% vegane Produktion ermöglicht. Die Schüler*innen erfuhren außerdem, dass ab 16 Jahren eine Ausbildung zum Industrie-Buchbinder möglich ist und bereits ab 14 Jahren Praktika angeboten werden – eine spannende berufliche Perspektive. Während der Führung wurde erklärt, dass die Buchherstellung bis zu 15 Arbeitsschritte umfasst: vom Falzen und Schneiden der großen Papierbögen über das Zusammentragen bis hin zum Fadenheften oder Klebebinden.

    Besonders beeindruckend war die Prägestation – das Prägen großer Farbflächen ebenso wie feinster Konturen erfordert viel Erfahrung und Fachwissen. Ergänzt wird die Buchgestaltung durch Details wie das Lesezeichenband und das Kapitalband am Buchrücken.

    Insgesamt boten die beiden Vormittage eine gelungene Verbindung von Tradition und Moderne. Sie weckten nicht nur das Interesse der Schüler*innen am Handwerk des Buchbindens, sondern förderten auch ihre Kreativität und Wertschätzung für Bücher.

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