Eine Reise in die Vergangenheit erlebten die vierten Klassen bei ihrem Ausflug zum Vogtsbauernhof nach Gutach. Im Mai und Juni ging es bei strahlendem Sonnenschein mit dem Zug ins Schwarzwälder Freilichtmuseum. Dort drehte sich an diesem Naturparkschultag alles um das Thema „Backen“.
Nach der Ankunft erhielten die Kinder zunächst eine Einführung in das Museum und einen Übersichtsplan des weitläufigen Geländes. Dabei erfuhren sie, dass der Vogtsbauernhof selbst bereits seit 1612 an seinem heutigen Standort steht. Alle weiteren historischen Bauernhäuser stammen aus verschiedenen Regionen des Schwarzwalds. Sie wurden an ihren ursprünglichen Standorten sorgfältig abgebaut und im Museum originalgetreu wieder aufgebaut – ein aufwendiges Projekt, das pro Haus etwa zwei Jahre dauert und mit hohen Kosten verbunden ist. So ist das Freilichtmuseum heute eine einzigartige Sammlung historischer Schwarzwaldhöfe.
Für den Vormittag standen zunächst eine Führung durch das Museum und anschließend das Backen eines „Datschkuchens“ im historischen Holzbackofen auf dem Programm. Während der Führung erfuhren die Kinder viel über das Leben der Menschen vor mehreren Jahrhunderten. Das wichtigste Brot war damals das dunkle Roggenbrot, das lange satt machte. Die langen Roggenhalme wurden außerdem für die typischen Strohdächer der Gutacher Häuser verwendet. Da früher möglichst nichts verschwendet wurde, entstanden aus dem Stroh viele nützliche Alltagsgegenstände wie Körbe, Hüte oder sogar Schuhe.
Auch der Aufbau eines Schwarzwaldhofes beeindruckte die Schülerinnen und Schüler. Der Speicher und das Backhaus standen aus Brandschutzgründen außerhalb des Wohnhauses. Im Haus selbst gab es nur in der Küche Feuer. Der Rauch zog durch das ganze Gebäude, schützte das Holz vor Schimmel und Holzwürmern und diente gleichzeitig zum Räuchern von Fleisch und Würsten. Damals lebten Menschen und Tiere unter einem Dach. Hinter der Wohnstube befanden sich die Stallungen. Die Tiere erfüllten wichtige Aufgaben: Katzen hielten die Mäuse fern – eine Katze musste täglich etwa zehn Mäuse fangen, um satt zu werden – und Kühe lieferten Milch und Fleisch.
Auch die Wohnstube bot spannende Einblicke in den damaligen Alltag. Hier gab es eine feste Sitzordnung: Der Hausherr saß am Kopfende des Tisches, daneben der Knecht. Die Männer hatten Stühle mit Rückenlehne, die Frauen mussten auf einfachen Hockern Platz nehmen. Das Haus spiegelte außerdem den evangelischen Glauben der Region wider und war schlicht eingerichtet. Eine kleine Überraschung entdeckten die Kinder dennoch: Hinter einer unscheinbaren Tür befand sich eine winzige Nische mit einem Hufeisen als Glücksbringer. Obwohl solche Symbole von der Kirche nicht gern gesehen wurden, waren sie wegen des weit verbreiteten Aberglaubens in vielen Häusern zu finden. Auch ein Ochsenkopf im Speicher gehörte zu diesen Schutzsymbolen.
Die Führung führte weiter durch die Rauchküche, vorbei an der Wasserstelle, die früher als natürlicher Kühlschrank diente, über die Schlafräume bis hinauf auf den Dachboden. Außerdem erfuhren die Kinder, warum auf vielen Höfen große Nussbäume standen: Ihre Blätter und ätherischen Öle halfen dabei, Insekten fernzuhalten.
Ein weiteres Highlight war die historische Mühle. Bei der Vorführung des großen Mühlrads konnten die Kinder beobachten, wie Getreide gemahlen wurde. Dabei lernten sie auch den „Kleiekotzer“ kennen, der nicht nur Mehl herstellte, sondern auch Kleie für Schweine und Knochenmehl als Futterzusatz für Hühner produzierte.
Zum Abschluss ging es ins Backhaus. Dort war der Holzofen bereits kräftig eingeheizt und rauchte noch ordentlich. Aus einem vorbereiteten Roggen-Weizen-Teig formten die Kinder ihre eigenen Datschkuchen, bestrichen sie mit Schmand und belegten sie ganz nach Geschmack – zum Beispiel mit Zwiebeln, Speck, Käse oder Äpfeln. Anschließend wurden die Fladen im Holzofen gebacken und gemeinsam verspeist. Das Ergebnis war ausgesprochen lecker und bildete einen gelungenen Abschluss eines erlebnisreichen Vormittags.
Die Projekte der Naturparkschule wurden vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg sowie der Lotterie Glücksspirale gefördert.




